05.03.2020

Interview mit Thomas Heininger zum Verkauf der MBO Gruppe an die Komori Corporation

 
 
 
Das Interview ist im Deutschen Drucker vom 05.03.2020, Ausgabe 3, auf Seite 9 erschienen.

Sind Sie erleichtert, dass die Investorensuche für MBO nun abgeschlossen ist?
Wir haben mit Komori einen sehr starken Partner gewonnen. Die Komori Corporation ist ein technologie- und zukunftsorientiertes Unternehmen. Unsere Portfolios ergänzen sich perfekt und es werden sich sehr deutliche Synergien ergeben.

Wie haben die Mitarbeiter auf die Nachricht reagiert?
Die Mitarbeiter haben die Nachricht sehr positiv aufgenommen. Die Komori Corporation ist ein Unternehmen, das langfristig plant. Wir sprechen hier von mittel- und langfristigen Management-Plänen. Wir sind dies in unserer schnelllebigen Zeit und in unserer sich rasch verändernden Branche überhaupt nicht mehr gewohnt. Das gibt unseren Mitarbeitern ein großes Gefühl von Sicherheit.

Welche Reaktionen haben Sie seitens der Kunden bekommen?
Unsere Geschäftspartner haben sehr positiv reagiert. Unsere Kunden wissen nun, dass MBO eine stabile Zukunft bevorsteht. Damit verbunden ist die Gewissheit, dass ein Invest in MBO-Falzmaschinen eine sichere Entscheidung ist. Es gab – von wem auch immer gestreut – jede Menge Spekulationen über die Zukunft der MBO-Gruppe. Diese sind nun endgültig beendet.

Welche Auswirkungen wird die Übernahme durch Komori für MBO konkret haben?

  • für den Standort Oppenweiler?
  • für den Standort in Portugal?
  • für die Vertriebsstruktur in Deutschland und weltweit?
  • für die Personalstruktur
  • für das Management?

Die Marken MBO und Herzog+Heymann bleiben fortbestehen. Beide Marken sind langjährig etabliert und genießen sehr großes Vertrauen im Markt. Davon wird auch die Komori Cooperation profitieren. Im Gegenzug werden wir im asiatischen Raum von Komoris Vertriebsstärke profitieren. Wir rechnen hier mit einer deutlich höheren Marktdurchdringung. Darüber hinaus bleiben alle drei Produktionsstandorte der MBO-Gruppe erhalten (MBO Deutschland, MBO Portugal und Herzog+Heymann). Die gewohnten Ansprechpartner und das gleiche Management-Team bei MBO bleiben ebenfalls erhalten.

Die Verhandlungen mit Heidelberg sind im vergangenen Jahr am Kartellamt gescheitert. Mit Heidelberg hätte ein direkter Wettbewerber das Unternehmen übernommen; Anwender hatten bereits ihre Sorge vor einer Monopolbildung im Falzmaschinenbereich kundgetan. Im Fall von Komori ergänzt das MBO-Portfolio das Angebot im Akzidenzbereich. Ist das – im Nachhinein betrachtet – für MBO die bessere Lösung?
Das ist im Rückblick schwer zu beurteilen. Wir konzentrieren uns generell auf die Zukunft und werden diese mit Komori positiv und erfolgreich gestalten. Wir sind sehr optimistisch gestimmt, voneinander zu lernen, Synergien zu nutzen und gemeinsam Großes zu erreichen.

Trotzdem wird der Deal mit dem japanischen Unternehmen Komori gerade in den Kommentaren im Web und den sozialen Netzwerken negativ bewertet. Welche Chancen versprechen Sie sich durch die Übernahme durch Komori?
Mit den Kommentaren im Web setze ich mich nicht auseinander. Wir sind unseren Kunden, den Mitarbeitern, unseren Vertriebspartnern und unseren Lieferanten verpflichtet, dies nehmen wir sehr ernst. Komori eröffnet uns in Asien und insbesondere in Japan Vertriebsgebiete, zu denen wir bisher wenig oder gar keinen Zugang hatten. Auch beim Thema Vernetzung/IoT werden sich deutliche Synergien zeigen. Wir haben bereits vor einigen Jahren unseren Datamanager erfolgreich im Markt eingeführt. Der Datamanager ist ein Softwarepaket zur Datenanalyse und Auftragsplanung im Postpress-Bereich. Ganz wichtig waren uns schon immer die offenen Schnittstellen des Datamanagers. Dadurch können wir nun den nächsten Schritt gehen und unkompliziert an KP-Connect von Komori andocken.

Welche Chancen ergeben sich umgekehrt für Komori durch den Erwerb von MBO?
Komori hat sich bisher auf die Fertigung hochwertiger Offsetdruckmaschinen sowie auf das sogenannte Print-Engineering-Service-Provider-Geschäft (PESP) konzentriert. Mit dem Erwerb der MBO-Gruppe kann Komori sein Portfolio erweitern und zukünftig die gesamte Prozesskette vom Druck zur Weiterverarbeitung sowie IoT-basierte Cloud-Lösungen wie KP-Connect weltweit vermarkten. Mit der Akquisition soll zudem der Eintritt in Post-Press-Lösungen für den Akzidenzdruck erleichtert werden – ein für die Komori-Gruppe neues Geschäftsfeld.

Die MBO-Gruppe zusammen mit Herzog+Heymann hatte angekündigt, zur Drupa im Rahmen der Postpress Alliance zusammen mit Baumann Maschinenbau Solms, Bograma, Hohner, Perfecta und Wohlenberg aufzutreten. Bleibt es dabei oder ist bereits ein gemeinsamer Auftritt mit Komori geplant?
Sowohl als auch. Die MBO-Gruppe wird auf der Drupa 2020 auf drei Messeständen anzutreffen sein. Wir werden eine MBO-Falzmaschine auf dem Komori-Stand in Halle 15 zeigen. Diese wird an das MIS KP-Connect angebunden sein.

Darüber hinaus werden wir mit unseren Partnern Baumann Maschinenbau Solms, Bograma, Hohner, Perfecta und Wohlenberg im Rahmen der The Postpress Alliance geballte technologische Expertise auf 1.400 m² in Halle 16 präsentieren. Unter dem Motto „we connect“ bildet The Postpress Alliance mit einem umfassenden Leistungsportfolio von der Datenübergabe aus dem MIS, über das Schneiden, Falzen, Stanzen, Klebebinden oder Draht-Heften bis hin zur Verarbeitung von Mailing- und Outsert-Systemen, den nahezu gesamten Workflow mit den dazugehörigen Prozessen eines Kunden-Betriebes ab.

Zusätzlich wird Herzog+Heymann mit Komponenten und Aggregaten auf dem Messestand des Partnerunternehmens Techni-Fold in Halle 6 zu finden sein.

Gibt es schon konkrete Pläne, was technologisch von MBO weiter zu erwarten ist?
Die MBO-Gruppe wird auch weiterhin einer der Technologieführer im Bereich der Weiterverarbeitung bleiben. Darüber hinaus werden wir aber sehr stark die Themen Robotics und Automatisierung vorantreiben. Hier bestärken uns die Erfolge, die wir bereits mit unserem kollaborierenden Absetzroboter CoBo-Stack erzielt haben. Der Roboter wurde vor weniger als einem Jahr im Markt eingeführt und übertrifft alle unsere Erwartungen. Wir entwickeln ihn stetig weiter und es kommen immer neue Funktionen und Möglichkeiten hinzu. Der CoBo-Stack genießt von Anfang an eine sehr hohe Akzeptanz im Markt. Darauf werden wir auch weiterhin aufbauen.

Das Interview ist im Deutschen Drucker vom 05.03.2020, Ausgabe 3, auf Seite 9 erschienen.

 
 
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